Simone Vejnik hat am FBZ Kurs „Digitale Kommunikation für Frauen“ teilgenommen und bezieht sich in ihrer Anschlussarbeit auf einen Artikel aus dem Standard zur Entwicklung der Digitalisierung im Klassenzimmer und dem Einsatz elektronischer Endgeräte während des Unterrichts.

Digitalisierung im Klassenzimmer – Der Österreichische Weg

Georg Platzer, Lehrender an einer AHS, betont, dass fortan mehr und mehr Laptops oder Tablets Einzug in die Klassenzimmer Österreichs haben werden. In einem ersten Schritt betrifft dies die fünften und sechsten Schulstufen. Längerfristig sollen auch weitere Jahrgänge mit elektronischen Endgeräten ausgestattet werden und es könnte eine der vielversprechendsten Veränderungen, die an den heimischen Schulen jemals angestrebt wurden, bedeuten. Die Reformpläne versprechen unter anderem, dass das Lernen unter dem Einsatz elektronischer Medien mehr Spaß machen werde und nachhaltiger und transparenter gestaltet werden könne. Die Schüler*innen sollen so in ihren Lebenswelten abgeholt werden und die Möglichkeit bekommen, unbegrenzte Wissensbestände zu nutzen. (vgl. Platzer, der Standard, 2021)

Jedoch was könnte dieser Wandel in den heimischen Klassenzimmern bedeuten und vor welchen Problemen wird langfristig gewarnt?

Pädagogisch-Didaktische Ansatz

Die beiden Lehrer Helmut Bittermann und Georg Cavallar gehen in ihrem Gastkommentar auf die Digitalisierungsbemühungen in den Schulen ein. Ihrer Meinung nach sind aus didaktisch pädagogischer Sicht die Herausforderungen bei dieser Initiative besonders groß. Die Endgeräte werden vorerst an die ersten Klassen der Mittelschulen und Gymnasien verteilt. Hier sprechen die Lehrer*innen davon, dass in diesen Jahrgängen, durch den ohnehin tiefen Systemwechsel, digitale Endgeräte wohl eher einen Störfaktor bedeuten würden. Noch hinzu kommt die Tatsache, dass die Einführung von Laptops oder Tablets nicht gut geplant und wertvoll umgesetzt wird (vgl. Bitterman und Cavallar, der Standard, 2021). Gleichzeitig erwähnt Platzer, dass in Bildungsfragen, insbesondere im Zusammenhang mit technologiebasierten Reformen, die direkte Anbindung an entsprechenden faktischen Grundlagen fehle. Für ihn muss vorerst der Frage nachgegangen werden, was die Forschung zum Thema Digitalisierung im Klassenzimmer sagt. Der Blick auf Studien, die sich mit diesem Thema befassen betonen, dass das klassische Mitschreiben mit Papier und Stift messbar bessere Lernleistungen bringt als eine digitale Mitschrift. Auch beim Lesen verhält es sich so, dass über Papier aufgenommene Texte besser verstanden und gemerkt werden. Auch soll eine US-amerikanische Studie aufgezeigt haben, dass in digital geführten Klassen ein Drittel der Unterrichtszeit von den SchülerInnen für das Surfen im Internet und dem Verweilen in sozialen Netzwerken genutzt wird. (vgl. Platzer, der Standard, 2021) Des Weiteren meinen kritische Stimmen in Foren, dem argumentativ und fachlich entgegenzuwirken:

• In der Schule sollte gelernt werden kreativ zu sein, zu kommunizieren, zu kollaborieren und kritisch zu denken und nicht mit Tablets zu arbeiten. Ein balancierter, sinnvoll angelegter Informatikunterricht lehrt auch Logik, algorithmisches Denken, Modellierung und Abstraktion sowie Problemlösungs- und Gestaltungskompetenzen. Hier besteht die Anforderung Risiken, Gefahren und die Notwendigkeit der Selektion im Umgang mit digitalen Medien zu lehren. Ein verantwortungsbewusster Zugang unter Einbeziehung der Eltern wäre ein wichtiger Schritt für mehrere Generationen.

• Digitalisierung entlastet nur „faule Lehrer*innen“. Digitalisierung entlastet Lehrer*innen nicht! Den Schüler*innen soll dadurch die Möglichkeit eröffnet werden, die Wissens- und Informationsgesellschaft aktiv mitgestalten zu können, statt nur passiv auf deren Entwicklungen zu reagieren. Das Problem gestaltet sich eher so, dass derzeit an den Schulen dafür aber nicht genug Informatiklehrer*innen vorhanden sind, so Cavallar und Bitterman. (vgl. Bittermann und Cavallar, der Standard, 2021) Gleichzeitig gibt es noch kein einheitliches Konzept in der Umsetzung des digitalen Lernens. Auch hier kann und darf das Schulsystem nicht davon ausgehen, dass alle Lehrkräfte einen gleichen Wissenstand an digitalen Kompetenzen vorweisen. Zusätzlich muss betont werden, dass wenn das Bildungsministerium im Grunde genommen nur für die Hardware-Ressourcen aufkommt, dies als ein erschreckend kurzsichtiger technokratischer Ansatz zu betrachten ist. Zehnjährige entsprechend aufwendig pädagogisch und didaktisch bei der geplanten Mediennutzung zu begleiten, kann im laufenden Betrieb und ohne zusätzliche Ressourcen nur sehr eingeschränkt passieren. Auch die Wartung und Reparatur der Endgeräte ist noch ungeklärt und lassen sich mit den aktuellen Ressourcen nicht sinnvoll bewältigen. (vgl. Cavallar und Bittermann, der Standard, 2021)

• Kinder sollten lernen wieder Bücher zu lesen. Chancengleichheiten werden mit diesem Ansatz eher verstärkt als minimiert. Kinder sollen lernen, die Fülle an Wissen verantwortungsbewusst zu nutzen. Denn der Zugang zu Bildung und Wissen ist keine Selbstverständlichkeit, insbesondere für Kinder aus bildungsfernen Schichten. Auch wird bei diesem Kommentar die Tatsache außer Acht gelassen, dass die digitalen Medien Zugang zu barrierefreien Ressourcen (barrierefreies Lesen, Schreiben, Hören) bereitgestellt werden können. Die Möglichkeiten des Erlernens einer Zweit-Drittsprache auf spielerische und schnelle Art und Weise, soll hier als Gegenargument dienen.

Zusammenfassend muss betont werden, dass die Verbannung einer digitalen Welt aus den Klassenzimmern als grob fahrlässig zu betrachten ist. Schulreformationen sind langwierige und schleppende Prozesse. Demnach, so Platzer, braucht das System eine evidenzbasierte Debatte darüber, was sich von der Digitalisierung der Klassenzimmer erwarten lässt. (vgl. Platzer, der Standard, 2021)

Quellen:

Georg Platzer: https://www.derstandard.at/story/2000129712620/was-laesst-die[1]digitalisierung-der-schule-erwarten, 23.03.2022, 18:31Uhr HELMUT BITTERMANN, GEORG CAVALLAR Helmut Bittermann, Georg Cavallar: https://www.derstandard.at/story/2000129711538/schule-mehr-digitale-inkompetenz, 23.03.2022 19:00

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