Auftraggeber

Mag. Peter Wedenig
Landesgeschäftsführer AMS Kärnten

Warum benötigen Frauen auch im 21. Jahrhundert noch spezielle Maßnahmen zur Eingliederung am Arbeitsmarkt?

Vieles wurde im Bezug auf die Gleichstellung der Geschlechter am Arbeitsmarkt schon erreicht. Das AMS selbst ist seit Jahrzehnten um Chancengleichheit bemüht und hat es sich zum Ziel gesetzt, mit maßgeschneiderten Qualifizierungen, spezifischer Beratung und Unterstützung die Chancen von Frauen zu verbessern. Es ist aber eine Tatsache, dass trotz zahlreicher Anstrengungen von vielen Seiten ein großer Teil der Frauen am Arbeitsmarkt noch immer das Nachsehen hat. Um ein paar Beispiele zu nennen: Es halten sich hartnäckig Rollenklischees, die zu einer traditionellen Berufswahl führen und in der Folge zur Beschäftigung in „klassischen Frauenjobs“ mit zumeist geringeren Verdienst- und Karrieremöglichkeiten. Die Betreuung von Kindern und die Pflege von Angehörigen bleiben große (Frauen-)Themen, durch die Karrierelücken entstehen. Fast jede zweite Frau arbeitet in Teilzeit. Und auch wenn Frauen die Männer in Sachen universitärer Bildung überholt haben – in den Führungsetagen von Unternehmen spiegelt sich das aktuell nicht wider.

All das hat nicht nur auf die unmittelbare Lebenssituation Auswirkungen, sondern wirkt langfristig: Altersarmut betrifft noch immer vorwiegend Frauen. Der Blick auf die Pension verdeutlicht das Ungleichgewicht sehr deutlich: 2019 fiel der Equal Pension Day in Kärnten auf den 3. August. Dieser Tag markiert den Zeitpunkt, an dem Männer bereits die Pensionssumme erhalten haben, die Frauen erst mit Jahresende erreichen werden. Pensionistinnen bekommen also statistisch gesehen ab diesem Tag „keine“ Pension mehr.

Diese Beispiele zeigen klar, dass es auch im 21. Jahrhundert noch vieler gemeinsamer Anstrengungen bedarf, um Frauen auf dem Weg zu echter Gleichstellung am Arbeitsmarkt zu unterstützen. Ziel muss es sein, dass Frauen wie Männer den gleichen Zugang zu allen Berufen und Führungsetagen in Unternehmen haben. Die Einkommensschere hat sich geschlossen; Frauen verfügen über ökonomische Unabhängigkeit und können selbstbestimmt ihr Leben führen.

Was ist für Sie das Besondere am Frauenberufszentrum (FBZ) Kärnten?

Das AMS kann die Chancengleichheit am Arbeitsmarkt nicht alleine herstellen; auf dem Weg dorthin braucht es ein breites Netzwerk und starke Partnerinstitutionen, wie das Frauenberufszentrum Kärnten. Das FBZ ist ein besonderer Baustein in unseren Bemühungen, eine frauenorientierte Arbeitsmarktpolitik zu betreiben. Es eröffnet arbeitsuchenden Frauen jeden Alters Perspektiven, bricht mit stereotypen Denkweisen und unterstützt, damit Frauen den Ein- bzw. Wiedereinstieg in die Berufswelt schaffen. Mit seinen Coachings sowie Aus- und Weiterbildung ist das FBZ stets am Puls der Zeit und bietet damit Frauen die Chance, zu Gewinnerinnen einer modernen, zunehmend digitalisierten Arbeitswelt zu werden.

Stichwort Digitalisierung: Welche Chancen eröffnen sich speziell für Frauen?

Durch die Digitalisierung entstehen neue Berufsfelder bzw. verändern sich bestehende. Ob das jetzt Jobs im Industriebetrieb sind, im Hotel, im Supermarkt, in der Werkstatt oder im Pflegeheim: In nahezu allen Branchen haben Automatisierung und Digitalisierung bereits Einzug gehalten. Wir stecken also mitten drin in der digitalisierten Arbeitswelt, die von Arbeitskräften besondere Kompetenzen fordert: Unternehmen brauchen – um wettbewerbsfähig zu bleiben – qualifizierte MitarbeiterInnen mit entsprechendem digitalen und technischen KnowHow. Und da setzt das AMS an: Wir gestalten unser Qualifizierungsprogramm entsprechend der Bedarfe der Wirtschaft und wollen Frauen von Beginn an ganz stark mit ins Boot holen, sie ermutigen und ihnen den Zugang zu Ausbildungen ermöglichen, die am Arbeitsmarkt nachgefragt sind. Damit gewährleisten wir, dass Betriebe die nötigen Fachkräfte und arbeitsuchende Frauen zukunftsträchtige, nachhaltige Jobs bekommen. Mit dem FBZ hat das AMS hier einen starken Partner zur Seite, der Frauen fit für die Arbeitswelt 4.0 macht.

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„Um sich in der Arbeitswelt gut zu positionieren und Familie, Beruf und Karriere unter einen Hut zu bringen, braucht es eine nachhaltige Begleitung und Beratung für Frauen. Grund für uns vor acht Jahren das Frauenberufszentrum Kärnten ins Leben zu rufen! Arbeitssuchende Frauen erarbeiten dort eine längerfristige Berufsperspektive, steigen mit neuem Wissen, fit und selbstbewusst in den Arbeitsmarkt ein und unterstützen Kärntens Betriebe mit Know-how, Engagement und weiblicher Power!“
Mag. Peter Wedenig, AMS Kärnten Landesgeschäftsführer,
MMag.a Melanie Jann
, Stv. Landesgeschäftsführerin

Ingrid Manthei
AMS Kärnten, Frauen und Gender Mainstreaming

Das AMS setzt sich seit 1985 für die Gleichstellung und Chancengleichheit von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt ein. (Höher-)Qualifizierung gilt dabei als eine Voraussetzung für das Schließen der Einkommensschere zwischen Frauen und Männer. 2011 wurde daher das arbeitsmarktpolitische Frauenprogramm des AMS Kärnten mit dem Konzept der Frauenberufszentren dahingehend weiterentwickelt.

Das Business Frauen Center (BFC)  unterstützt Frauen mit Informationen beim Zugang zur (Höher-) Qualifizierung und Laufbahnberatung, damit sich ihnen berufliche Perspektiven eröffnen und sich ihre Chancen am Arbeitsmarkt mithilfe einer Kompetenzenbilanz und Karrierecoaching verbessern. Zusätzlich bietet das BFC ein politisch unabhängiges Wirtschaftsnetzwerk für Unternehmerinnen und weibliche Führungskräfte sowie für Frauen, die eine Führungsposition anstreben. Das ist ein wesentlicher Aspekt, denn nach wie vor haben es Frauen schwerer als Männer als potenzielle Kandidatinnen in Führungspositionen wahrgenommen zu werden, da sie selten Teil der relevanten Netzwerke sind, Laufbahnen von Frauen zumeist in der zweiten oder dritten Führungsebene enden, und sie meist über keine ausgeprägte Präsenzkultur und wenig Sichtbarkeit verfügen.

Die Expertinnen vom BFC begleiten Frauen auf dem Weg zu einer angemessenen beruflichen Position und stärken ihr Selbstbewusstsein. Das AMS schätzt die professionelle Unterstützung der kompetenten Beraterinnen des BFC um gemeinsam an einer besseren Zukunft für die Frauen zu arbeiten.

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FBZ Kärnten
Eine Maßnahme im Auftrag von und finanziert durch
das AMS Kärnten.